HAZ, Anzeiger für Burgdorf und Uetze: FeindBerührung 2.0

 

von Sabine Szameitat

 

Im Spiel wird Banane zur Waffe

 

Das Blut spritzte, es wurde geballert und Gewalt gezeigt. Für das Theaterstück „Feindberührung“ war der Altarraum der St.-Pankratius-Kirche zur Theaterbühne geworden, auf der sich zwei unterschiedliche Menschen begegneten.

Der Ort war ungewöhnlich, das Thema des von Tim von Kietzell inszenierten Stücks den jugendlichen Zuschauern aber sehr geläufig. Spielszenen aus blutrünstigen Ego-Shooter-Computerspielen, wie sie am Anfang des Stücks auf einer Leinwand hinter der Bühne erschienen, kannten wahrscheinlich alle Konfirmanden und Vorkonfirmanden, die die Kirchenbänke füllten. Die meisten hatten auch schon Erwachsenensprüche gehört wie „Solche Spiele müssten verboten werden“.

 

Mit diesem Satz kommt der bosnische Hausmeister Baris (Willi Schlüter) ins Spiel. Er kommentiert so den in sein Ballerspiel versunkenen Ben (Tim Schaller), der am Computer seinen Frust abbauen will. Der Schüler ist überzeugt, dass er zwischen Spiel und Ernst unterscheiden kann, und provoziert den alten Mann, indem er ihm eine Plastiktüte über den Kopf zieht und ihn mit einer Spielzeugpistole bedroht. Dass der einen realen Krieg und den Mord an seinen Angehörigen erlebt und dabei selbst getötet hat, lässt in dem Jugendlichen erst fast so etwas wie Faszination aufkommen. Die beiden Vertreter unterschiedlicher Generationen provozieren einander, es kommt zur Feindberührung.

Manchmal wird es laut zwischen ihnen, im Zuschauerraum dafür umso stiller. Atemlos verfolgt das Publikum, wie sich Ben und Baris zusammenraufen – im wahren Wortsinn, weil nicht nur eine Pistole, sondern auch eine Banane zur Waffe wird. Am Ende ist dem Jungen wie dem Alten einiges klar geworden über den anderen und seine Beweggründe. Gemeinsam essen sie, jeder mit seinem Löffel, kalte Suppe aus der Dose – ein Bild des Friedens.

HAZ, Anzeiger für Burgdorf und Uetze, 10.03.2011

 

 


 

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